Langstreckenflug mit Baby und Kleinkind

Was wirklich hilft — unser ehrlicher Erfahrungsbericht

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„Mama, ich muss aufs Klo“ – Satz Nummer 47 seit dem Start und wir sind erst bei Stunde drei von zwölf. Langstreckenflüge mit Kindern haben einen schlechten Ruf: Schreiende Babys, gestresste Eltern, böse Blicke der Sitznachbarn. Zu Unrecht — wenn man weiß, worauf es ankommt. Hier ist, was wir gelernt haben.

Nachtflug — oder lieber nicht?

Wann immer es geht, buchen wir Nachtflüge. Aber es lohnt sich, das bewusst abzuwägen.

Der größte Vorteil des Nachtflugs liegt auf der Hand: Die Kinder schlafen die meiste Zeit, Eltern können auch schlafen und brauchen deutlich weniger Beschäftigungsmaterial. Der Nachteil: Wer spät abends fliegt, startet oft mit müden, quengeligen Kindern in den Flug — weil der Abflug weit nach der normalen Schlafenszeit liegt.

Der Tagesflug dreht das um: Man startet ausgeschlafen, die Kinder sind fit und gut gelaunt, der Abreisetag lässt sich entspannt nutzen. Der Preis dafür: Es ist viel mehr Beschäftigung an Board nötig, es gibt kaum Ruhe für die Eltern und es ist ein langer Tag für alle.

Was wir tunlichst vermeiden: Flüge am frühen Morgen. Ein Flug um 7.00 Uhr morgens ist sowohl für Eltern als auch Kinder anstrengend. Die Kinder werden vor ihrer üblichen Aufwachzeit geweckt (selbst wenn man Frühaufsteher hat, wie wir) und sind noch müde und meist nicht ganz so gut gelaunt. Dass sie, sobald sie im Flugzeug sind, schlafen, kann klappen, muss aber nicht. Mit übermüdeten Kindern in ein Flugzeug steigen, ist eines unserer No-Gos. Da ist Eskalation vorprogrammiert…  

💡 Tipp: Unser Fazit: Ein Nachtflug bleibt unsere erste Wahl — aber nur wenn der Abreisetag entspannt ist und die Kinder ausgeruht in den Flieger kommen. 

Sitzplätze — frühzeitig reservieren

Sitzplätze sollte man immer so früh wie möglich reservieren — am besten direkt beim Ticketkauf. Denn oft sind die Maschinen bis auf den letzten Platz besetzt und zusammenhängende Plätze sind schnell weg.

  • Nebeneinanderliegende Sitzplätze sofort reservieren
  • Kindermenü bei Bedarf gleich mitbuchen
  • Fensterplatz aussuchen — das ist gleich ein Unterhaltungswert für die Kleinen, ob man über den Tragflächen sitzen möchte, oder nicht, muss man selbst entscheiden. 
  • Vor dem Flug festlegen, wer wo sitzt — damit das nicht erst in der Maschine diskutiert werden muss und eventuell in Tränen endet
💡 Tipp: Falls zusammenhängende Plätze weg sind: Airlines blockieren oft Plätze für Familien mit Kleinkindern. Am Check-in-Schalter fragen — es gibt fast immer eine Lösung.

Bequeme Kleidung — unterschätztes Thema

Was man anzieht, macht einen erstaunlichen Unterschied auf Langstreckenflügen. Unsere Regel: bequem, warm genug (am besten Zwiebellook, denn man weiß nie, wie warm es im Flugzeug wirklich sein wird und es hängt meiner Meinung nach auch stark von der Airline ab) und schnell aus- und anziehbar.

  • Weiche Hose statt Jeans — nach zwei Stunden im Sitz ist man dankbar
  • Sweatjacke oder dünner Pullover mit Kapuze — es kann ziehen im Flieger
  • Schuhe, die sich schnell an- und ausziehen lassen — für die Kinder und für euch (im Flugzeug immer mit Schuhen laufen, der Boden ist unglaublich schmutzig)
  • Für den Kleinen immer ein dünnes Mützchen 

Coole Eltern während des Flugs

Ob iPad, On-Board-Entertainment oder Snacks, ganz egal: Solange die Kinder ruhig sind, sich friedlich beschäftigen und andere Passagiere nicht stören, dürfen sie so gut wie alles. Ein Langstreckenflug stellt schließlich eine Ausnahmesituation für alle dar.

Was aber gar nicht geht: Tische hoch und runter klappen, auf dem Sitz rumklettern oder gegen die Lehne vor ihnen treten. 

💡 Tipp: Entspannte Eltern = entspannte Kinder. Das ist kein Klischee — das ist die wichtigste Erkenntnis aus allen unseren Langstreckenflügen.

Das Bassinett 

Das Bassinett ist ein kleines Bettchen, das an der Trennwand vor der ersten Reihe befestigt wird. 

Abhängig von der Airline gelten für das Bassinett unterschiedliche Regeln (Größe, Körpergewicht) und sie sind unterschiedlich groß. Das kann man auf der Homepage der jeweiligen Airline aber überprüfen. 

Der eigentliche Vorteil des Bassinetts: Man bekommt automatisch die erste Reihe — mit deutlich mehr Beinfreiheit. Der Bassinett-Platz liegt meist direkt hinter den Toiletten oder der Bordküche. Es ist lebhafter als andere Reihen — aber es sind immer Menschen in der Nähe, die lächeln und mit den Kindern spielen. Auf unserem ersten Flug nach Amerika saß ein älteres Pärchen hinter uns. Unser Sohn stand auf meinem Schoß, drehte sich um — und schon spielten sie Guckuck. Irgendwann saß er kurz bei ihnen und wir konnten die Beine ausstrecken.

💡 Tipp: Bassinett immer sofort bei der Buchung anfragen — die Plätze sind begrenzt und schnell vergeben. Bei geringer Verfügbarkeit darf oft nur ein Erwachsener am Bassinett-Platz sitzen.

Boarding — der Trick mit dem Gate

Einer von uns steigt vorab ein, richtet die Plätze her, verstaut das Gepäck. Der andere wartet mit den Kindern am Gate — sie können noch laufen und toben. Wir steigen als eine der letzten Familien ein. Das Boarding dauert ewig. Zehn Minuten weniger im engen Flieger sind zehn Minuten mehr Bewegungsfreiheit — für alle.

💡 Tipp: Ein Tipp, den wir von anderen Reisefamilien gelernt haben: Direkt nach dem Einsteigen die Flugbegleiterin fragen, ob der Flug ausgebucht ist. Mit etwas Glück bekommt man mit Baby fast immer eine freie Reihe angeboten. So ging es uns auf unserem Island-Flug und wir hatten zu viert 2 Reihen für uns allein. Das gibt unglaublich viel mehr Platz für die ganze Familie – und nett fragen kostet nichts.

Kinderwagen 

Wer keinen kabinentauglichen Kinderwagen hat, kann den Kinderwagen bis direkt ans Flugzeug schieben und ihn dort abgeben — das nennt sich Gate-Check. Der Kinderwagen wird im Frachtraum verstaut und kommt nach der Landung direkt an die Gangway zurück.

Kein Kindersitz – unsere bewusste Entscheidung

Ohne Sitz können sich die Kinder auf dem Platz anders positionieren — Füße anziehen, sich zusammenrollen, eine halbwegs bequeme Schlafposition finden. Andere schwören auf den Kindersitz im Flugzeug. 

⚠️ Wichtig: Wer einen Kindersitz im Flieger nutzen möchte, braucht eine TÜV-Zertifizierung oder das Zulassungszeichen ‚For use in aircraft‘ (FAA_Freigabe) — sichtbar am Sitz angebracht. Eine ECE-Zulassung für das Auto allein reicht nicht. Ohne dieses Zertifikat darf der Sitz im Flugzeug nicht verwendet werden.

Das Mondstillkissen — unser heimlicher Star

Auf den Schoß gelegt, Baby darauf gebettet — schon hat man beide Hände frei und das Kind liegt stabil und bequem. Wir haben damit gestillt, das Baby schlafen gelegt und einfach ruhige Stunden überbrückt

Gepäck und Organisation — unsere Regeln

Wechselkleidung: Wir packen immer mindestens zwei Wechseloutfits für jedes Kind, und eins für mich (falls in der engen Flugzeugtoilette mal was schief gehen sollte) — alles in Zip-Beuteln verpackt, so gibt es kein Durcheinander im Rucksack. Ein weiteres Muss. Mindestens eine Packung Feuchttücher immer griffbereit haben.

Die Wickelunterlage bzw. das Wickelset bringt man selbst mit — im Flieger gibt es nur den Wickeltisch. Dieser ist jedoch unwahrscheinlich klein. Er wird über der Toilette nach unten geklappt und je nach Tiefe hat das Baby bzw. Kleinkind dort nicht immer der Längs nach Platz, sondern muss seitlich, entlang der Rückwand, hingelegt werden. Für größere Babys / Kleinkinder, die bereits stehen können, empfehle ich daher immer Schlupfwindeln. Das Anziehen im Stehen erleichtert das Platzproblem in Flugzeugtoiletten erheblich. Pro-Tipp: Auch dem sauberen (Klein-)Kind eine Windel bei Start und Landung anziehen, denn zu diesen Zeitpunkten darf nicht aufgestanden und die Toilette benutzt werden. Wenn es aber genau dann sein muss, bewahrt eine Windel, die gleich danach wieder ausgezogen werden kann, vor Schlimmerem…

Unsere Regel für Kinderspielzeug: Es darf kein Spielzeug mitgenommen werden, das nicht in den Kinderrucksack passt. Das klingt streng — spart aber enormen Stress, denn die Kinder haben ihren Rucksack bei ihnen am Platz im Fußraum. So können sie selbstständig auf ihre Spielsachen zugreifen und es muss nicht immer ein Erwachsener aufstehen und die Sachen aus dem Overhead-Locker hervorkramen. 

Essen und Snacks — selbst ist die Mama

Im Handgepäck landen immer selbstgemachte Pancakes — die können die Kinder kalt essen, sie machen satt und sind ein vertrauter Geschmack in fremder Umgebung. Dazu Kekse, Erdbeerchips und andere Lieblingssnacks und zwar nicht zu knapp. Ein kleiner Wutausbruch kann sich nach einer Hand voll Kinderkeksen wie in Luft auflösen.  

An Bord gibt es meistens auch Kindermenüs und Kindernahrung — Gläser werden auf Wunsch erwärmt, Flaschen ebenfalls. Ein mobiler Flaschenwärmer ist aber praktischer und zuverlässiger. 

💡 Tipp: Flüssigkeiten unter 100ml sind erlaubt — Quetschies und Joghurtbeutel kommen problemlos durch die Sicherheitskontrolle. Manche Flughäfen (Terminal 2 in MUC beispielsweise) erlauben mittlerweile dank moderner Scanner mehr als 100ml im Handgepäck. Am besten vor Abflug online checken. 

Die Flugbegleiter fragen 

Das Kabinenpersonal hat oft mehr an Bord, als man denkt. Wir haben beispielsweise schon Windeln von der Crew bekommen (sogar auf einem Kurzstreckenflug), als unsere knapp wurden. Und auf unserem Flug nach Kapstadt haben wir ein zusätzliches Kissen aus der Business Class in die Economy gebracht bekommen, damit das Baby bequemer auf meinem Schoß liegen konnte. Fragen lohnt sich also und kostet nichts. Das Kabinenpersonal möchte schließlich jedem Fluggast ein angenehmes Reiseerlebnis bieten und dazu gehört auch ein zufriedenes Baby. 

Beschäftigung für Kleinkinder

Der Große ist mit iPad, Hörbüchern, Kartenspielen und Rätselblöcken gut beschäftigt.

  • iPad mit vorher heruntergeladenen Inhalten — kein WLAN im Flieger einplanen
  • Kinderkopfhörer mit Lautstärkebegrenzung — wir nutzen die Tigerbuddy Kopfhörer, ab ca. 3 Jahren
  • Kartenspiele wie Uno oder Memo für den Klapptisch
  • Rätselblock mit Ausmalbildern und Suchbildern
💡 Tipp: Neue Spiele oder kleine Überraschungen einpacken — das Unbekannte hält länger bei Laune als das Gewohnte.

Wenn das Baby quengelt 

Ruhig bleiben. Nur weil das Baby zu weinen beginnt, heißt es nicht, dass es den ganzen Flug hindurch weint. Und etwas Gequengel ist normal und stört die meisten Mitreisenden nicht. Unsere Wunderwaffe: eine Babytrage. Das Kind ist ganz nah bei Mama oder Papa und wird von den Reizen der Umgebung abgeschirmt. Wenn nicht gerade Hunger oder eine volle Windel der Grund für die Tränen sind, ist das fast immer die Lösung. Zudem kann man sich so mit dem Kleinen auf dem Gang durchs Flugzeug bewegen und es sanft hin- und herschaukeln – und der Flieger liefert von selbst genug White Noise, um fast jedes Kind zu beruhigen.

Schlaf im Flieger

Nackenkissen für die Großen, Mondstillkissen für die Kleinen, Bassinett wenn verfügbar.

Was uns immer geholfen hat: die normalen Abendrituale auch im Flieger beibehalten. Zähneputzen, Pyjama anziehen — das gibt Babys und Kleinkindern das Gefühl von Vertrautheit, auch wenn sie 10.000 Meter über dem Boden sind. Und wenn das Kind schon windelfrei ist: vor dem Schlafen unbedingt noch einmal auf die Toilette.

Wer mit der Sonne fliegt — also tagsüber Richtung Westen — steht vor einem anderen Problem: Es wird einfach nicht dunkel. Rollläden gibt es nicht. Unsere Lösung: Die Decke vom Flieger nehmen und ein kleines Zelt bauen — Kind darunter, Elternteil dazu. Klingt improvisiert, funktioniert aber erstaunlich gut.

Druckausgleich bei Start und Landung

Der Druckausgleich beim Abheben und beim Landeanflug ist für Babys die schwierigste Phase — sie wissen nicht, was passiert und können selbst nicht gegensteuern. Stillen bei Start und Landung hilft am besten, um den Druck in den Ohren auszugleichen. Alternativ: Schnuller oder Fläschchen — Hauptsache das Baby saugt und schluckt. Aber Achtung: Brust oder Fläschchen wirklich erst geben, wenn der Flieger abhebt. Lässt man sie zu früh trinken, kann es sein, dass man erst noch auf der Startbahn dahinrollt und der Hunger bis zum Abheben bereits vergangen ist. 

Bei älteren Kindern mit Erkältung hilft Nasenspray vor Start und Landung. Ab ca. 4 Jahren funktioniert auch Kaugummi gut.

Unser Fazit

Langstreckenflüge mit Kindern und Babys sind durchaus machbar. Der Schlüssel ist nicht das perfekte Gepäck oder das teuerste Ticket. Es ist die Vorbereitung: Nachtflug buchen, Schlafrhythmus beachten, Snacks einpacken, alles andere ergibt sich in der Regel von selbst.

Und nicht vergessen: Wenn die Eltern entspannt sind, sind es die Kinder auch.

Für die komplette Handgepäckspackliste, schau hier vorbei.

Häufige Fragen — Langstreckenflug mit Baby und Kleinkind

Ab welchem Alter ist ein Langstreckenflug mit Kindern sinnvoll?

Sehr individuell. Wir sind bereits mit einem Säugling  Langstrecke geflogen und es hat gut funktioniert.

Was ist ein Bassinett und wie bekommt man einen Platz?

Ein Bassinett ist ein kleines Babybett, das an der Trennwand der ersten Reihe befestigt wird. Es ist bei den meisten Airlines kostenlos oder mit sehr geringem Aufpreis zu haben, aber begrenzt verfügbar. Direkt bei der Buchung anfragen.

Was ist ein Gate-Check beim Kinderwagen?

Beim Gate-Check gibt man den Kinderwagen direkt am Flugzeug ab — er kommt nach der Landung direkt an der Gangway zurück. Kein Warten am Gepäckband.

Darf man Essen für Kinder im Handgepäck mitnehmen?

Ja — feste Lebensmittel sind grundsätzlich erlaubt. Flüssigkeiten müssen an den meisten Flughäfen unter 100ml sein, Babynahrung und Muttermilch sind davon ausgenommen.

Braucht man einen eigenen Sitz für das Baby?

Babys unter zwei Jahren fliegen als sogenannte ‚Lap Infants‘ — also auf dem Schoß der Eltern, ohne eigenen Sitz. Ab zwei Jahren ist ein eigener Sitz Pflicht.

Was tun bei Ohrenschmerzen beim Start und Landen?

Stillen oder Schnuller beim Start und Landen hilft — das Schlucken gleicht den Druckausgleich aus. Bei älteren Kindern funktioniert Kauen oder Trinken genauso gut.

Muss der Kindersitz eine spezielle Zulassung haben?

Ja — das Zulassungszeichen ‚For use in aircraft‘ muss sichtbar am Sitz angebracht sein. Eine reine Auto-Zulassung reicht nicht aus.

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